Sojawachs gehört seit einigen Jahren zu den beliebtesten Kerzenwachsen. Vor allem wegen seiner natürlichen Herkunft, seinem guten Rückhaltevermögen für Duftöle und seiner biologischen Abbaubarkeit. Dieser Artikel erklärt, was Sojawachs ist, wie es hergestellt wird, welche Typen es gibt und worauf man bei der Verarbeitung achten sollte.
Auf einen Blick
- Sojawachs wird aus hydriertem Sojaöl hergestellt – pflanzlich, vegan und biologisch abbaubar
- Ideal für Behälterkerzen im Glas – nicht geeignet für freistehende Stumpenkerzen (nicht tropffrei)
- Nimmt je nach Duftöl typischerweise 6–10 % Duftölanteil auf – besonders gut für Duftkerzen
- Brennt langsam, gleichmäßig und rußarm
- Es gibt reines reines Sojawachs (C-3) oder Mischungen mit Kokos- (C-6) bzw. Palmwachs (C-1)
Was ist Sojawachs?
Sojawachs ist ein weißes bis hellbeiges, pflanzliches Wachs mit einem natürlich-angenehmen, nahezu neutralen Eigengeruch. Es ist rein pflanzlich, vegan und zu 100 % biologisch abbaubar.
Sojawachs wird überwiegend in den USA hergestellt, da dort der größte Teil der weltweiten Sojaproduktion stattfindet. Es ist als nachwachsender Rohstoff eine Alternative zu Paraffin, das als Mineralölprodukt nicht biologisch abbaubar ist. Neben reinem Sojawachs gibt es auch Mischungen mit anderen Naturwachsen – zum Beispiel mit Kokos- oder Palmwachs – die bestimmte Eigenschaften wie Formstabilität oder Textur verbessern.
Wie wird Sojawachs hergestellt?
Ausgangsmaterial ist Sojaöl, das aus Sojabohnen gepresst wird. Durch Hydrierung, ein chemischer Prozess, bei dem Wasserstoff unter Druck in das Öl eingebracht wird, werden die ungesättigten Fettsäuren des Öls in gesättigte umgewandelt. Das Öl wird dadurch fest und erhält seine wachsartige Konsistenz.
Je nach Grad der Hydrierung und Weiterverarbeitung entstehen unterschiedliche Typen: von weichen Behälterwachsen mit niedrigem Schmelzpunkt bis zu festeren Varianten für freistehende Kerzen. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Hersteller und Produktionslinie.
Sojawachs-Typen im Vergleich
Wir führen verschiedene Sojawachs-Typen, die sich in Zusammensetzung, Schmelzpunkt und Verwendungszweck unterscheiden. Für Duftkerzen im Glas ist NatureWax® C-3 die meistgekaufte Wahl. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Typ | Zusammensetzung | Form | Eignung | Besonderheit |
| 100 % Soja | Flocken | Behälterkerzen, Gläser | Bestseller – optimale Glashaftung, Schmelzpunkt 51–54 °C | |
| 100 % Soja, ohne Paraffin | Flocken | Behälterkerzen, auch als Additiv | Eigene Marke, plastikfreie Verpackung, Schmelzpunkt 51–54 °C | |
| Soja + Palmwachs (max. 30 %) | Flocken | Behälterkerzen, Formen | Löst sich besser aus Formen, wenig Fettblüten, Schmelzpunkt 51–55 °C | |
| 100 % Soja (EU, GMO-frei) | Pastillen | Behälterkerzen | Europäischer Anbau, vegan, Tropfpunkt 51–55 °C | |
| Natürliche Sojawachsmischung | Pastillen | Stumpenkerzen, freistehend | Einziges Sojawachs für freistehende Kerzen, Schmelzpunkt ca. 60 °C | |
| 100 % pflanzlich, GMO-frei, paraffinfrei | Pastillen | Behälterkerzen, Teelichter, Wachsmelts | Seidenmatte Oberfläche, starke Duftentfaltung, Schmelzpunkt ca. 46 °C | |
| Soja-Basis | Pastillen | Wachsmischungen, Blends | Ideal als Basis für eigene Wachsmischungen |
Vorteile und Nachteile von Sojawachs
Die größten Stärken von Sojawachs liegen in seiner Nachhaltigkeit und Duftöl-Bindung: Es ist pflanzlich, vegan und biologisch abbaubar, brennt langsam und rußarm und kann je nach Duftöl typischerweise 6–10 % Duftölanteil aufnehmen. Für Behälterkerzen im Glas ist es deshalb eine der besten Optionen.
Die Grenzen zeigen sich bei freistehenden Kerzen: Sojawachs ist zu weich für Stumpenkerzen oder Stabkerzen und reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen. Frosting – weiße Schlieren auf der Oberfläche – kann auftreten, vor allem bei dunklen Farben. Es beeinträchtigt die Brenneigenschaften nicht, fällt aber optisch auf. Für Silikonformen ist meist ein Zusatz aus härterem Wachs nötig.
Sojawachs vs. Paraffin – was ist besser?
Die Wahl zwischen Sojawachs und Paraffin hängt vom Verwendungszweck ab. Sojawachs hat ein deutlich besseres Rückhaltevermögen für Duftöle und gibt den Duft langsamer und gleichmäßiger frei – ein entscheidender Vorteil für Duftkerzen im Glas. Paraffin ist formstabiler, günstiger und eignet sich besser für freistehende Kerzen wie Stabkerzen oder Stumpenkerzen.
Beide Wachse lassen sich auch miteinander mischen: Eine Kombination aus Sojawachs und Paraffin verbindet die gute Duftöl-Bindung des Sojawachses mit der Formstabilität des Paraffins. Für einen reinen Naturwachs-Ansatz bietet sich auch Rapswachs als Alternative an – regional angebaut, biologisch abbaubar und ebenfalls gut für Duftkerzen geeignet.
Einen vollständigen Vergleich aller Kerzenwachse – Paraffin, Stearin, Bienenwachs, Rapswachs und mehr – findest du in unserem Artikel Woraus besteht Kerzenwachs? Alle Wachsarten im Überblick.
Sojawachs verarbeiten: Tipps und Hinweise
Schmelzen und Gießen
Sojawachs am besten im Wasserbad schmelzen und die Temperatur kontrolliert auf 55–65 °C bringen. Nicht zu stark rühren – Luftblasen entstehen beim Rühren und zeigen sich später als Löcher oder unebene Oberflächen in der Kerze. Duftöle bei ca. 55 °C zugeben und vorsichtig einrühren. Genauere Angaben findest du beim jeweiligen Produkt.
Vor dem Gießen sicherstellen, dass die Gläser oder Dosen nicht zu kalt sind, also mindestens Raumtemperatur. Durch langsames Gießen und leichtes Klopfen des Behälters auf den Untergrund lassen sich Luftblasen zusätzlich reduzieren.
Abkühlung
Sojawachskerzen langsam und gleichmäßig abkühlen lassen. Nicht in den Kühlschrank stellen und nicht nach draußen in die Kälte. Zu schnelles Abkühlen führt zu Rissen, unebenen Oberflächen und schlechter Glashaftung. Ideal ist eine langsame Abkühlung bei Raumtemperatur ohne Zugluft.
Frosting
Sojawachs bildet bei korrekter Abkühlung und Gießtemperatur wenig bis keine Fettblüten (sogenanntes Frosting oder Fat Blooming) – ein bei reinen Naturwachsen häufiges Phänomen. Bei dunkleren Farben sollte die Oberfläche jedoch genau beobachtet werden, da Frosting hier optisch stärker auffällt. Die Brenneigenschaften der Kerze werden durch Frosting nicht beeinträchtigt.
Erster Brand
Beim ersten Abbrennen die Kerze so lange brennen lassen, bis das Wachs bis zum Glasrand vollständig flüssig ist. Das verhindert Tunnelbildung und sorgt dafür, dass die Kerze gleichmäßig abbrennt. Als Faustregel gilt: etwa 1 Stunde pro 2–3 cm Glasdurchmesser. Ein zu dünner Docht schafft das nicht – dann bleiben am Rand immer Wachsreste zurück.
Hinweis zu Silikonformen und Stumpenkerzen
Reines Sojawachs ist nicht tropffest und eignet sich daher nicht für freistehende Stumpenkerzen. Für Kerzen in Silikonformen ist meist ein härteres Wachs als Zusatz erforderlich – zum Beispiel ein kleiner Anteil Stearin.
Häufige Fragen zu Sojawachs
Was ist Sojawachs?
Sojawachs ist ein pflanzliches Wachs aus hydriertem Sojaöl. Es ist biologisch abbaubar, vegan und hat einen Schmelzpunkt von ca. 46–54 °C. Es wird vor allem für Behälterkerzen und Duftkerzen eingesetzt, da es Duftöle besonders gut aufnimmt und langsam freigibt.
Bei welcher Temperatur gießt man Sojawachs?
Sojawachs wird idealerweise bei 55–65 °C gegossen. Duftöle sollten bei ca. 55 °C zugegeben werden, bevor das Wachs in die Behälter gegossen wird. Die Gläser sollten Raumtemperatur haben, also nicht zu kalt.
Was ist der Unterschied zwischen Sojawachs und Paraffin?
Sojawachs ist pflanzlich, biologisch abbaubar und hat ein sehr gutes Rückhaltevermögen für Duftöle. Paraffin ist ein Mineralwachs aus der Erdölverarbeitung – formstabiler und günstiger, aber nicht biologisch abbaubar. Für Behälterkerzen mit Duft ist Sojawachs die bessere Wahl; für freistehende Kerzen ist Paraffin stabiler.
Eignet sich Sojawachs für Stumpenkerzen?
Die meisten Sojawachse sind zu weich für freistehende Stumpenkerzen. Eine Ausnahme ist das Kerasoy 4120, das speziell für freistehende Kerzen entwickelt wurde und formstabiler ist. Alle anderen Sojawachse aus unserem Sortiment sind für Behälterkerzen in Gläsern gedacht.
Fazit
Sojawachs ist eine vielseitige und nachhaltige Wahl für die Kerzenherstellung, vor allem für Duftkerzen im Glas. Die gute Duftöl-Bindung, die rußarme Verbrennung und die biologische Abbaubarkeit machen es zur bevorzugten Basis für viele Kerzenmacher.
Wer erst einmal reinschnuppern möchte, findet in unserer DIY-Box Sojawachs alles, was für die ersten Kerzen gebraucht wird. Alle erwähnten Sojawachs-Typen sind in unserem Sojawachs-Sortiment erhältlich.